Die Bibliothek der guten Ideen

Juliane Fritz

Hier lernen Kinder, wie man Dinge repariert

Claudia Munz und Marek Blaszczynski über ihre Arbeit in einer Reparaturwerkstatt an einer Münchener Schule

21.04.2026 71 min

Zusammenfassung & Show Notes

Wir leben in einer Welt, in der alles scheinbar immer verfügbar ist. Etwas ist kaputt? Nicht schlimm, kann man neu kaufen! Doch diese Art zu leben bedeutet, dass wir die Ressourcen unseres Planeten zu stark ausbeuten. Dieses Problem hat auch ein Lehrer an einer Münchener Schule gesehen. Seine Idee: Wir bringen allen Schülern bei, wie man Dinge repariert!

Die erste Schule, in der Kinder und Jugendliche lernen, wie man repariert

An der Rudolf-Steiner-Schule Schwabing in München gibt es durch ihn - Walter Kraus - nun seit 2016 eine Reparatur Werkstatt. Es ist die erste Schule weltweit, an der jeder Schüler und jede Schülerin lernt, wie man Geräte aufschraubt, die Fehler findet und behebt. Das Projekt strahlt aus! Denn andere Schulen wollen von den Münchenern lernen. Inzwischen gibt es schon über 10 weitere Schulen in Deutschland, die das nachmachen. Außerdem sind die Münchener weltweit vernetzt in der Szene der "Repair Culture". Zuletzt sprachen sie auf dem "Repair Summit", einer US-amerikanischen Veranstaltung.

Weltweite Vernetzung in der internationalen Szene der Repair Culture

Im Podcast spreche ich mit Claudia Munz und Marek Blaszczynski. Marek ist Lehrer an der Schule und begleitet die Schüler bei den Reparaturen. Claudia ist die wissenschaftliche Begleiterin der Werkstatt und findet heraus: Was macht es mit den Schülern, diese Kompetenzen zu erlernen? Sie arbeitet außerdem an der Vernetzung des Projektes und ist Mit-Autorin eines Leitfadens, der anderen Schulen helfen soll, ebenfalls eine Reparatur-Werkstatt aufzubauen.

Im Interview hören wir:
  • Wie die Arbeit in der Werkstatt abläuft und was es für die Schülerinnen und Schüler bedeutet.
  • Claudia und Marek geben Tipps, wie Schulen ein ähnliches Projekt verwirklichen können.
  • Wir sprechen darüber was diese "Repair Culture" ist und dass es inzwischen an ganz vielen Orten auf der Welt "Repair Cafes" gibt, in denen man gemeinsam mit Expertinnen und Experten die eigenen kaputten Geräte wieder in Gang bekommt.
  • Außerdem erfahren wir, dass die Akteure der "Repair Culture" ein wesentlicher Treiber waren, um das "Recht auf Reparatur" in der EU durchzusetzen. Dieses Recht bedeutet, dass Hersteller ihre Geräte so bauen müssen, dass sie reparierfähig sind.

Welche Ideen finden Marek und Claudia sonst noch gut?

Wie immer habe ich meine Gäste gefragt, welche gute Idee sie gut finden - abseits von der, die sie verfolgen. Claudia und Marek sind sich einig: Sie sind überzeugt von der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens. Informationen dazu gibt es unter anderem beim "Mein Grundeinkommen e.V.". Dieser Verein verlost Grundeinkommen an verschiedene Menschen und findet heraus, was das mit ihnen macht:

Shownotes

Webseite der Reparaturwerkstatt an der Rudolf-Steiner-Schule Schwabing / München

Youtube Channel der Schüler aus München - "Fixing for future"

Netzwerk Reparaturinitiativen - hier findet man das nächstgelegene Repair Cafe und Reparatur-Termine

Webseite "I fix it" - mit Schritt-für-Schritt Reparatur-Anleitungen. Motto: "Reparaturanleitungen für alles, geschrieben von allen"

Culture of Repair - eine Webseite der US-Reparaturkultur

The Restart Project - eine Webseite der britischen Reparaturkultur

Visible Mending - die Idee, Kleidung sichtbar zu reparieren

Trailer des Films "Welcome to Sodom - Dein Smartphone ist schon hier" - über eine gigantische Mülldeponie in Ghana, voller Elektroschrott, wo Menschen im brennenden Müll versuchen, verwertbare Reste zu finden.


Die Zahlen zum Land-Fußabdruck der EU und dem Müll aus Deutschland, der in Afrika landet, stammen aus dem Buch "Unsere Welt neu denken" von Maja Göpel. Sie bezieht sich beim Fußabdruck auf den "Bodenatlas 2015", herausgegeben unter anderem von der Heinrich Böll Stiftung:
Die Zahlen zu den Müllimporten nach Afrika stammen aus dieser Pressemitteilung von AEB aus dem Jahr 2019:


Die Literaturliste von Claudia Munz


Heckl, Wolfgang M. (2013): Die Kultur der Reparatur. München (Hanser Verlag)

Krebs, Stefan / Schabacher, Gabriele / Weber, Heike (Hg.) (2018):Kulturen des Reparierens. Bielefeld (transcript Verlag).Kostenloser download unter:https://www.transcript-verlag.de/media/pdf/e4/ef/36/oa9783839438602J5CL5j4AqTsQs.pdf

Schmidbauer, Wolfgang (2015): Enzyklopädie der dummen Dinge, München (Oekom Verlag)

Schmidbauer, Wolfgang (2020): Die Kunst der Reparatur. München (Oekom Verlag)

Baier, Andrea / Hansing, Tom / Müller, Christa / Werner, Karin (Hg) (2016): Die Welt reparieren. Bielefeld

Jackson, Steven J. (2014): “Rethinking Repair.” In Media Technologies: Essays on Communication, Materiality, and Society, edited by Tarleton Gillespie, Pablo J. Boczkowski, and Kirsten A. Foot, 221–40. Cambridge, Mass.: MIT Press.

(» broken world thinking / neues Verhältnis von Innovation & Reparatur)

Crawford, Matthew B. (2010): Ich schraube, also bin ich. München / List Verlag

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